Tarifstreit: Lufthansa und UFO einigen sich auf Schlichtung
München, 10.09.2012 | 13:12 | tei
Fluggäste müssen vorerst keine streikbedingten Flugausfälle oder Verspätungen mehr befürchten: Die Lufthansa und die Gewerkschaft Unabhängige Flugbegleiter Organisation (UFO) haben sich am späten Freitagabend auf die Einleitung eines Schlichtungsverfahrens geeinigt. Wie die Lufthansa mitteilte, gilt daher seit Samstag 0 Uhr die Friedenspflicht, die weitere Ausstände untersagt. Diese bleibt bis zur Annahme oder Ablehnung des Schlichterspruchs uneingeschränkt in Kraft. Der UFO-Vorstandsvorsitzende Nicoley Baublies sagte am Sonntag gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, das Schlichtungsverfahren werde voraussichtlich mindestens sechs Wochen andauern.
Airport in Frankfurt: Der Flugverkehr hat sich seit der Friedenspflicht weitgehend normalisiert. Foto: Fraport AG.
Bereits im Laufe des Freitags war wieder Bewegung in den festgefahrenen Tarifstreit zwischen der Lufthansa und ihren von der UFO vertretenen Flugbegleitern gekommen. Am frühen Abend war die Airline auf eine der Kernforderungen der Gewerkschaft eingegangen: Medienberichten zufolge hatte Christoph Franz, Vorstandsvorsitzender der Fluglinie, bekanntgegeben, dass die Lufthansa keine externen Kabinencrews in Berlin-Tegel mehr einsetzen wolle. Vielmehr soll allen am Hauptstadt-Flughafen beschäftigten Stewardessen und Stewards von Leiharbeitsfirmen eine Festanstellung offeriert werden. Die UFO hatte während der seit über einem Jahr laufenden Tarifverhandlungen stets ein Ende der Leiharbeit gefordert.
Wer den Tarifstreit schlichten soll, steht indes noch nicht fest. UFO-Chef Baublies sagte, man diskutiere intern noch etwa zehn Namen - mit der Lufthansa wolle man sich dann über maximal fünf Personen austauschen. Das Schlichtungsabkommen soll am Mittwoch unterzeichnet werden. Am Wochenende hatte das Nachrichtenmagazin Spiegel gemeldet, dass der ehemalige Bundespräsident Horst Köhler als Schlichter im Gespräch sei. Bereits am Freitag hatte das ZDF berichtet, dass der ehemalige Bundesarbeitsminister Franz Müntefering, Hamburgs Ex-Bürgermeister Henning Voscherau und der frühere Präsident des Bundesverfassungsgerichts Hans-Jürgen Papier ebenfalls als Kandidaten im Gespräch seien.
Der Flugverkehr normalisierte sich derweil im Laufe des Wochenendes weitgehend. Am Freitag musste die Lufthansa aufgrund eines ganztägigen Streiks der Flugbegleiter an den Flughäfen Frankfurt am Main, München, Düsseldorf, Berlin-Tegel, Hamburg und Stuttgart rund 1.000 der geplanten 1.800 Verbindungen streichen. Mehr als 100.000 Passagiere waren von Flugausfällen und Verspätungen betroffen. Auch am Samstag mussten noch rund 20 Flüge annulliert werden. Vereinzelt kann es noch bis zum Donnerstag zu Behinderungen im Flugverkehr kommen.
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