Keine dritte Startbahn in München: Lufthansa will andere Flughäfen nutzen
München, 19.06.2012 | 18:18 | tei
Das Votum der Münchner Bürgerschaft hat den Bau einer dritten Startbahn am Münchner Flughafen Franz Josef Strauß vorerst auf Eis gelegt - jetzt droht die Lufthansa mit Konsequenzen. Mit lediglich zwei Start- und Landebahnen werde der Airport täglich an seine Grenzen stoßen, so Thomas Klühr, Verantwortlicher für das Passagiergeschäft der Fluggesellschaft in einer Mitteilung. Es sei daher möglich, dass Wachstum künftig an andere Flughäfen verlagert werden müsse, hieß es weiter.
Thomas Klühr von der Lufthansa droht, künftig auf andere Flughäfen zu setzen. Foto: Ingrid Friedl/Lufthansa.
"Wir schließen nicht aus, dass wir unseren Verkehr auf andere Drehkreuze der Lufthansa wie Zürich, Wien oder Brüssel verlagern", sagte eine Sprecherin des Unternehmens gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Auch Frankfurt am Main habe seit der Eröffnung der neuen Startbahn weitere Kapazitäten, so die Sprecherin weiter. Die Lufthansa nutzt den Münchner Flughafen als zweites Drehkreuz neben dem größten deutschen Airport in Frankfurt. Der Flughafen im Erdinger Moos im Norden der Landeshauptstadt wurde vor 20 Jahren eröffnet und in den vergangenen Jahren massiv ausgebaut.
Unterdessen beginnt in der bayerischen Landespolitik eine Diskussion über die Konsequenzen aus dem Votum der Münchner. Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) will an den Ausbauplänen festhalten. Das Projekt sei "von zentraler Bedeutung für die Zukunftsfähigkeit" des Freistaates Bayern, wird er vom BR zitiert. Der Bürgerentscheid sei lediglich für die Haltung der Landeshauptstadt München als Mitgesellschafterin des Flughafens von Bedeutung. Bayerns Finanzminister und Flughafen-Aufsichtsratschef Markus Söder (CSU) hatte ebenfalls betont, die Ausbaupläne nicht zu den Akten legen zu wollen. Das Votum der Münchner sei lediglich eine lokale und keine bayernweite Entscheidung.
Kritik kam aus den Reihen der Landtagsfraktion der Grünen. Christian Magerl, Vorsitzender des Landtags-Umweltausschusses, warnte die Landesregierung, nach Hintertürchen zu suchen. Vielmehr solle sie ihren Antrag auf Planfeststellung zurückziehen. Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) hatte nach dem Votum gegen den Bau einer dritten Startbahn betont, die Entscheidung der Bürger respektieren und keine Tricks anwenden zu wollen. Der Bürgerentscheid hat lediglich ein Jahr lang Gültigkeit, danach kann prinzipiell erneut über das Projekt entschieden werden. Einen Verkauf der städtischen Anteile der Münchner Flughafengesellschaft an den Freistaat Bayern schloss Ude kategorisch aus.
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