Kanada verbietet Rausschmiss bei überbuchten Flügen

Als erstes Land der Welt geht Kanada gegen die durchaus übliche Praxis des Überbuchens von Flügen vor. Wie die Onlineausgabe des Britischen Guardien am Mittwoch berichtet, hat Transportminister Marc Garneau neue gesetzliche Regelungen für Flugreisende präsentiert. Ab 2018 soll dann unter anderem verboten werden, dass Passagiere mit gültigem Ticket unfreiwillig aus einem überbuchten Flieger geschmissen werden dürfen.
Dem Bericht zufolge betonte Garneau, dass schändliches Verhalten gegenüber Flugreisenden, wie etwa beim gewaltsamen Rauswurf eines Passagiers bei Delta Airlines, in Kanada nicht länger toleriert wird. Mit den neuen Gesetzen soll sichergestellt werden, dass „Reisende wie Menschen behandelt werden und nicht wie Zahlen“, so Garneau. Sollte sich auf einem voll besetzten Flug kein Freiwilliger finden, der den Flieger gegen eine Mindestgebühr verlässt, müssten die Airlines demnach künftig ihr Angebot erhöhen oder von der Praxis des Überbuchens Abstand nehmen.

Dabei ist es weltweit durchaus üblich, mehr Buchungen zu bestätigen, als Plätze vorhanden sind. Vor allem in den USA rechnen die Airlines auf viel gebuchten Strecken stets mit einigen „No Shows“ – Menschen, die trotz Flugticket nicht erscheinen. Kommen doch einmal zu viele Passagiere, bieten die Airlines in der Regel Upgrades, kostenlose Hotelübernachtungen oder Bonusmeilen als Kompensation an. In den USA konnten laut offiziellen Angaben dadurch im Jahr 2016 rund eine halbe Million Reisende ihre Flüge nicht wie geplant antreten. In Europa sind die Regeln deutlich strenger. So urteilte ein Gericht im Januar 2017, dass Airlines stornierte Tickets grundsätzlich erstatten müssen. Klauseln, die dies kategorisch ausschließen seien unwirksam, vielmehr müsse die Fluglinie beweisen, dass das Ticket nicht oder nur zu einem geringen Preis weiterverkauft wurde.