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Lufthansa will 100 Jets von Alitalia kaufen

München, 15.11.2017 | 10:49 | hze

Nachdem Air Berlin bereits zwischen Lufthansa und Easyjet aufgeteilt wurde, geht nun das Tauziehen um die ebenfalls insolvente Alitalia los. Wie das Branchenportal Airliners berichtet, will die Kranichairline bis zu 100 Maschinen sowie rund 6.000 Mitarbeiter des italienischen Carriers übernehmen. Easyjet hat ebenfalls Interesse an Teilen der Flotte angemeldet. Doch auch eine komplette Übernahme von Alitalia ist offenbar noch nicht vom Tisch.

Alitalia Airbus A330 im Flug Neben den Boeing 777 will Lufthansa für 250 Millionen Euro auch 15 Airbus A330 von Alitalia kaufen. Listenpreis: mehr als 3 Milliarden Euro. © Alitalia
Ursprünglich sollte die Bieterfrist am 16. Oktober ablaufen, bis dato hatten insgesamt sieben Interessenten konkrete Angebote vorgelegt. Öffentlich gemacht haben ihre Absichten bisher jedoch  Lufthansa und Easyjet. Da jedoch alle offenbar nur den Kauf von Teilen der Alitalia planen, hat die Regierung eine neue Frist gesetzt. Bis zum 30. April 2018 können die Interessenten ihre Angebote nun nachbessern. Damit muss sich dann wohl ein neues Parlament mit dem Verkauf von Alitalia befassen, denn am 4. März könnten in Italien Neuwahlen stattfinden. Insider vermuten genau diese Absicht hinter der erneuten Fristverlängerung.

Wie auch bei Air Berlin hat sich der Verkauf von Alitalia nämlich längst zum Politikum entwickelt. Regierung und Gewerkschaften pochen auf einen Komplettverkauf der Airline, was bisher offenbar jedoch alle Interessenten ablehnen. Hoffnung hatte zuletzt eine Interessensbekundung des US-Investors Cerberus gemacht, der bereits eine Mehrheit am ehemaligen italienischen Staatscarrier hält. Für rund 400 Millionen Euro wolle das Unternehmen mit Sitz in New York Alitalia komplett sanieren. Nur ein konkretes Angebot wollte Cerberus demnach noch nicht abgeben, da die ausgeschriebenen Bedingungen zu „restriktiv“ seien.

Damit bleibt die Zukunft von Alitalia weiter ungewiss. Sollte doch die Lufthansa den Zuschlag bekommen, will diese den weltweiten Linienverkehr einer möglichen „NewAlitalia“ weiterhin in Rom belassen. Der Punkt-zu-Punkt-Betrieb innerhalb Europas soll hingegen von Eurowings ab Mailand abgewickelt werden. Bezahlen will die Lufthansa rund 250 Millionen Euro, die gleiche Summe, für die bereits große Teile von Air Berlin an die Kranichairline verkauft wurden. Ein wahres Schnäppchen, liegt der Listenpreis einer Boeing 777-200ER – von denen die Lufthansa allein 12 Stück von Alitalia kaufen will – bei rund 283 Millionen US-Dollar.
 

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